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Theater-Feuer an einem kalten Abend - MainEcho vom 19.05.2016

Geschrieben von Administrator.

KultBurG-Open: 100 Besucher bei dreieinhalbstündiger Premiere der Gaunerkomödie "Volpone" im Burghof
Es war ein bitterkalter Pfingstsamstag-Abend, an dem die neue Produktion des Alzhenauer Theatervereins KultBurG die Gaunerkomödie "Volpone" in der Reihe der KultBurG-Open Premiere feierte. Die temperaturen rutschten im Laufe der dreieinhalbstündigen Inszenierung in den einstelligen Bereich. Dazu pfiff ein eisiger Wind durch den oberen Burghof.
 

Rund 100 wetterfeste Besucher hatten sich mit Decken und in Winterklamotten auf den Weg gemacht, um dabei zu sein. Die Entscheidung war goldrichtig. Denn an diesem kalten Abend brannte auf der Bühne lichterloh ein Theaterfeuer, das man so schnell nicht vergessen wird. Obwohl die Aufführung durchaus Längen hat und der erste Teil mit 105 Minuten am Stück extrem ausufert, begeistert das Ensemble durch hochkarätige Leistungen. Unter der Regie von Josef Pömmerl spielten die Kultburgler ein Stück von Ben Jonson, der neben William Shakespeare als bedeutendster englischer Dramatiker gilt, in einer Bearbeitung von Stefan Zweig.

Bezug zur Fabel

Bezug nehmend auf die antike Fabel tragen die Akteure Tiernamen entsprechend ihrer Charaktere und tragen in der Alzenauer Aufführung mal mehr oder mal weniger deutliche Attribute. Volpone, der Fuchs, trägt zum Beispiel eine Mütze aus Fuchsfell. Schultern und Arme von Geier, Habicht und Krähe werden von schwarzen glänzenden Federn bedeckt. Der Gehilfe Volpones, die Schmeißfliege Mosca, ist von Kopf bis Fuß als Fliege gekleidet.
Die Geschichte des reichen Gauners, der sich todkrank stellt und von den Erbschleichern, die nun auf den Plan treten, Gold, Geldstücke oder Schmuck über Mosca einsammeln lässt, ist schlau ausgedacht. Wie Dagobert Duck in einer Badewanne mit Geldstücken sitzend (Bühnenbild: Hans Bösebeck, Barbara Vogel-Hohm), tüftelt Volpone an seinen Plänen und ist selbst hingerissen davon (»saftige Bosheit wärmt mehr als Branntwein«). Doch die Dinge laufen aus dem Ruder, als er die Ehefrau des eifersüchtigen Corvinos für eine Nacht fordert …

In der Hauptrolle des Volpone glänzt Andreas Urbaniak, er freut sich königlich über das bevorstehende Theaterspiel. Mit reichem Mienenspiel, das in Sekundenschnelle wechselt und ausdrucksvoller Körpersprache begeistert Anna Jäger in der Rolle von Mosca. Katharina Wilz, Heiko Bozem, Britta Olbrich und Sandra Majewski stellen die Erbschleicher dar.

Gestöhne und Gejammer

Vor allem Majewski in der Rolle des Alter Corbacchio spielt fantastisch. Ihr Gestöhne und Gejammer über das viele Geld, das ihr/ihm fehlt, kombiniert mit der wunderbar einstudierten Körperhaltung eines alten Mannes, der an Stöcken geht, ist genial unterhaltsam. Matthias Wissel spielt Capitano Leone mutig wie ein Löwe. Nicole Bozem als Colomba hat ihre urplötzlichen Ohnmachtsanfälle sorgfältig einstudiert und wird von der Premiere hoffentlich nicht allzu viele blaue Flecken davon getragen haben. Die Rolle der Richterin stattet Carmen Reichenbach mit herrlichen Augen-Tics aus. Verschiedene kleinere Rollen übernahmen Laura Iaquinta, Ursula Stöckl-Elsesser und Stefanie Stenger zuverlässig.

Was die »Star-Wars«-Titelmelodie mit dem Gaunerstück zu tun hat, welche Gerechtigkeit am Ende siegt und ob Volpone tatsächlich »der vollkommenste Schurke in Venedig« ist, können Theaterfans bei sicher höheren Temperaturen in einer der nächsten Vorstellungen erfahren.

Doris Huhn