Burgfestspiele Alzenau: Der Filmklassiker »Irma la Douce« als Theaterkomödie

Alzenau  Der erste Anlauf dauert nur gut eine halbe Stunde. Dann fegt ein Unwetter über die Region und setzt der Aufführung von »Irma la Douce« am Freitag auf der Alzenauer Burg ein Ende. Diese Vorstellung wird dann am Sonntag vormittag Alzenauer Burgg - zum Glück ohne Regen - wiederholt. So kommt es, dass der Samstag-Abend-Termin unfreiwillig zur Premiere wird.

In welchem Milieu das Stück des Alzenauer Theatervereins Kultburg angesiedelt ist, das zeigt sich auf den ersten Blick. Leicht bekleidete Damen, einige davon echt, andere entsprechend ausstaffierte Schaufensterpuppen, gruppieren sich rund um die Bühne im unteren Burghof.

»Irma la Douce«, der Filmklassiker von Billy Wilder aus dem Jahr 1963, dürfte den meisten im Publikum mehr oder weniger bekannt sein. Abweichend von der Vorlage werden für die Alzenauer Version vier Straßenkehrer (Gabi Wittemann, Nicole Bozem, Egon Pichl, Carmen Reichenbach) eingeführt, die regelmäßig für Überleitungen und Erklärungen sorgen - und die natürlich auch hin und wieder nach einer Schlägerei die mit Scherben oder ähnlichem Müll verunreinigte Bühne säubern dürfen.

Ansonsten orientiert sich Regisseur Josef Pömmerl, auch für den Text verantwortlich, nahe am Original. Selbst den kecken Lockenkopf einer Shirley MacLaine, die damals so wunderbar locker die Irma spielte, adaptiert Sandra Majewski für ihre Rolle des Straßenmädchens. Irma, die von Kindesbeinen an im Pariser Rotlichtviertel, in der Rue Casanova, ihr Leben verbracht hat, lernt den völlig naiven Nestor (Klaus Kolb) kennen, der seinen Job als Polizist nach einer übereifrigen Razzia im Stundenhotel verliert. Sein Pech: Vorgesetzter Inspektor Levèfre (Peter Lubetzki) war hier gerade Kunde. Nestor schlägt nun bei einem Streit Irmas Zuhälter Hippolyte, genannt der Ochse (Heiko Bozem), k.o. - und übernimmt dessen Funktion. Von Eifersucht bald zerfressen schlüpft er mit Hilfe von Bistro-Wirt Moustache (Manfred Jung) in die Rolle des körperlich beeinträchtigten Lord X. Alles nur, um Irma von anderen Männern fern zu halten.

Der Plan misslingt, denn nun muss Nestor nachts arbeiten, um Irma bezahlen zu können. Die Beziehung bröckelt, der Lord muss weg - und doch wieder her, denn Nestor wird für den angeblichen Mord verhaftet. Geschickt nutzt die Aufführung die örtlichen Gegebenheiten, Treppenaufgänge werden einbezogen, das Stundenhotel einerseits diskret hinter einer Wand angesiedelt, anderseits mit einem Bett im ersten Stock wieder sichtbar gemacht.

Oftmals spielt sich das Geschehen parallel ab: Während Irma mit dem Lord im Hotelzimmer plaudert, zocken die Zuhälter (Georg Heres, Alfred Kolb, Josef Pömmerl) und die anderen Straßenmädchen (Ursula Stöckl-Elsesser, Stefanie Elsesser, Moniera Romann und Claudia Bross) stöckeln lasziv auf und ab. Der Lord taucht einfallsreich als Schattenriss ab und wieder auf, und Stefan Rupprecht, der vielseitig unter anderem in die Rollen von Polizist, Matrose und Pfarrer schlüpft, darf sogar in einer Art Bobart-Kostüm das Publikum erheitern.

Zu Beginn der Vorstellung wirken manche Szenen noch etwas hölzern, doch spielen sich vor allem Irma, Nestor und Moustache im Laufe des Abends wunderbar warm. Klaus Kolb läuft vor allem als Lord X mit britischem Zungenschlag zur Höchstform auf. Auch Claudia Bross, die von Klaus Staab musikalisch begleitet wird, bereichert das Stück mit ihren gelungenen Gesangseinlagen.

Immer öfter müssen die Zuschauer lachen, obwohl die ungewohnte Kälte viele eher zum Schlottern bringt. Ein paar Kürzungen hätten der Aufführung dennoch gut getan, die auf eine Länge von drei Stunden angelegt, phasenweise etwas Dynamik vermissen lässt. Auch wenn Irma einfach göttlich zu heulen vermag und Moustache gekonnt aus seinem illustren Lebenslauf plaudert. Aber das ist eine andere Geschichte.

Martina Jordan

Weitere Termin in Kahl: Freitag, 20., Samstag, 21. August, jeweils 20 Uhr; Karten gibt es im Rathaus Kahl, Tel. 06188/9440, Ticket-Service Alzenau, Tel. 06023/310940.

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