Theaterpremiere: Starke Kultburgler zeigen rabenschwarze Komödie »Adams Äpfel« auf dem Dorfplatz

Kahl »Wir müssen noch warten, bis die Kirche aus ist. Da wird noch um besseres Wetter gebetet«, verkündete Regisseur Josef Pömmerl am Samstagabend auf dem Dorfplatz direkt vor der Pfarrkirche St. Margareta, wenige Minuten, bevor die zweite Aufführung der neuen Kultburg-Inszenierung los gehen sollte.

»Heute Abend soll es trocken bleiben«, ergänzte Pömmerl schmunzelnd und so war es denn auch. Der letzte Teil der Premiere von »Adams Äpfel« musste am Freitagabend in die nahe gelegene Gaststätte »Da Salva« verlegt werden, wo die letzten 20 Minuten gespielt wurden, während draußen das Gewitter tobte.

Schwarz, rabenschwarz, »Adams Äpfel« könnte man die Steigerungskette fortsetzen, denn schwärzer kann ein Stück wirklich nicht sein als die herrliche Groteske, die der Däne Anders Thomas Jensen im Jahr 2005 auf die Kinoleinwand brachte. Immerhin wurde der Streifen für einen Oscar nominiert, außerdem heimste er den Kulturpreis der dänischen Pastoren ein. 

Wie auf den Leib geschneidert

Die ironisch überspitzt dargestellten Szenen in einer Wohngemeinschaft für angeblich resozialisierte Straftäter ist den 20 Kultburglern wie auf den Leib geschneidert. Die zweimal 60 Minuten Spielzeit, die von einer viertelstündigen Pause unterbrochen werden, vergehen wie im Flug angesichts dieser so traurigen und doch so lustigen Geschichte, die düster und heiter zugleich ist, anrührt und ungemein unterhält. Dass es das Ensemble wagt, die beiden Aufführungen im Freien zu spielen, wird belohnt.
Zwar sind die Temperaturen weit von einem Sommer-Open-Air entfernt, doch die stimmige Kulisse der Pfarrkirche, vor dem das scheinbar von höheren Mächten gelenkte Treiben der Menschen sich entwickelt, ist unbezahlbar. Selbst der kalte Wind, die dramatische Wolkenentwicklung und die mächtigen Glockenschläge des Pfarrhauses setzen zusätzliche Akzente, die das ohnehin extrem starke Spiel der Truppe noch aufwerten.

Eindrucksvoller »weiblicher« Adam

Die Idee von Josef Pömmerl, die Hauptrolle des Adam weiblich zu besetzen (die aggressive Neonazi Eva begründet ihren männlichen Namen so: »Ich schlage nicht zu wie eine Eva, darum Adam«), ist genial. So mutet ihr Konflikt zwischen dem Guten und dem Bösen umso augenscheinlicher und eindrucksvoller an.
Ihr Gegenspieler, wenn man ihn so nennen mag, ist Pfarrer Ivan, der mit seiner Verleugnung alles Bösen im Menschen auf einer fanatischen Ebene angelangt ist. Nicole Bozem und Peter Lubetzki sind (Laien-)Schauspieler der Extraklasse, die ihre Rollen ausleben. Ihnen zur Seite steht ein Ensemble, das von der Zuschauerseite aus keine Wünsche offen lässt. Alle Figuren sind mehr oder weniger gewalttätig und haben eine Schraube locker. Diese kaputten Typen werden auf eine derart groteske Art und Weise präsentiert, dass man über den schwarzen Humor dieser Weltanschauung herzhaft lachen kann.

Von Gewalt zum liebevollen Ritual

Besonders schön ist die Entwicklung zwischen Adam und Gunnar zu sehen. Gunnar klaut Adam regelmäßig Handy und Geldbörse. Während Adam zu Beginn darauf mit blanker Gewalt reagiert, wird die Übergabe dieser beiden Dinge im Laufe des Stücks zu einem liebevollen Ritual. Dass der Teufel seine Hände im Spiel seines Lebens hat, davon ist Ivan überzeugt. Die blonde Ärztin Kolberg könnte sogar ein Teufel in Menschengestalt sein. Die biblischen Anspielungen durchziehen das komplette Stück. Evas Projekt in der WG, einen Apfelkuchen aus Früchten vom Baum des Pfarrgartens zu backen, wird von biblischen Plagen sabotiert. Mal fallen Raben in den Baum ein, mal zerfressen Würmer die Früchte, dann schlägt der Blitz in den Baum ein. Doch Adams Theorie ist es, dass nicht der Teufel die Menschen auf die Probe stellt, sondern Gott selbst.

Unterhaltsame Umbauphasen

Die insgesamt 21 Szenen werden von überaus unterhaltsam gestalteten Umbauphasen begleitet. Die Musik, mal ethnisch angehaucht, mal erklingt die norwegische Frauenband »Katzenjammer« vom Band, passt hervorragend. Die Schauspieler selbst tragen Tische und Stühle von der Bühne, schlüpfen hier erneut in Rollen, improvisieren scheinbar einige Tanzschritte, stellen mit überzogener Mimik die Requisiten bereit. Bereits diese quicklebendigen Szenenwechsel sind munterer und witziger als der Gesamtgehalt mancher so genannter Komödien.

Wer keine Angst hat vor schrägen Typen, derbe Ausdrucksweise und saftige Schimpfworte verträgt, Revolverschüsse, Schlägereien, den Tod einiger Mitspielender verkraftet und sich dabei prächtig unterhalten lassen möchte, dem sind die drei weiteren Aufführungen von »Adams Äpfel« wärmstens empfohlen.

Im zehnten Jahr seines Bestehens ist dem Alzenauer Theaterverein mit diesem Stück ein echter Knaller gelungen, den Regisseur Josef Pömmerl mit seiner engagierten Truppe zum prallen Leben erweckt hat.

Doris Huhn

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