Bayerischer Amateurtheaterpreis: Das Alzenauer Ensemble Kultburg wird für das Stück »Witwendramen« ausgezeichnet

Alzenau Der Alzenauer Theaterverein Kultburg wird für seine tiefschwarze und schräge Episoden-Revue »Witwendramen« des fränkischen Autors Fitzgerald Kusz mit dem erstmals verliehenen Bayerischen Amateurtheaterpreis ausgezeichnet. Die Jury vergab an drei Inszenierungen den mit 700 Euro dotierten ersten Preis, der am 28. Juli in Fürth überreicht wird. Mit Regisseurin Anni Christ-Dahm und dem Kultburg-Vorsitzenden Roland Kilchenstein sprach Doris Huhn über Schleiferinnen, lustvolles Scheitern und die Open-Air-Aufführungen, die am 8. Juni im oberen Hof der Burg Alzenau starten.

Wie viele Siegerchancen haben Sie sich eingerechnet?

Anni Christ-Dahm: Nach den ausverkauften Vorstellungen im Sommer 2010 und der begeisterten Resonanz auf die Wiederaufnahme als Benefiz-Theaterstück habe ich mir, ohne überheblich sein zu wollen, sehr gute Chancen ausgerechnet, wenn auch nicht gerade den ersten Platz. Einsendeschluss für die DVD und die Unterlagen war der 31. Dezember. Nach Weihnachten sagte ich zu meiner Schwester Marianne (Hofmann, im Ensemble der »Witwendramen«) erschrocken: »Mer wollte doch das Stück einreichen!« Dann ging alles ganz schnell. Am 29. Dezember durfte Roland noch unterschreiben und die Bewerbung wurde abgeschickt.

Wie stolz ist man als Vorsitzender eines Theatervereins über solch eine Auszeichnung?

Roland Kilchenstein: Für mich kam der Preis schon überraschend. Aber man kann natürlich glücklich sein, dass man solche Regisseurinnen in den Reihen des Vereins hat.
Anni Christ-Dahm: Der Preis ist eine Bestätigung der Arbeit. Das geleistete Engagement wird damit honoriert. Ich sage immer zu meinem Ensemble: Ihr müsst den Erfolg auch wollen!

Was ist für Sie der Reiz am Amateurtheater?

Anni Christ-Dahm: Das schauspielerische Talent liegt mir einfach. Das ist eine echte Leidenschaft. Hier kann ich mich verwirklichen. Wenn ich damit Geld verdienen könnte, würde ich nichts anderes mehr machen. Ich warte jetzt auf entsprechende Angebote (lacht). Das Theaterspiel ist aber auch spannend und der Nervenkitzel ist schön. Selbst wenn ich das Wort eigentlich nicht mag, aber es ist einfach »geil«, nach einem Auftritt den Applaus entgegen zu nehmen. Und wenn etwas schief geht und man improvisieren muss, kann man selbst noch einen Erfolg durch »lustvolles Scheitern« erzielen, indem man aus der Situation einen Gag macht.
Roland Kilchenstein: Mir macht es Spaß, in andere Rollen zu schlüpfen und sich den Leuten, die man kennt, von einer ganz anderen Seite zu zeigen. Die Beziehung zwischen Spielern und Publikum ist etwas ganz Besonderes.

Warum haben Sie die »Witwendramen« ausgewählt?

Anni Christ-Dahm: Wir wollten nach »Der letzte Wille« und »Schweig, Bub« unsere Kusz-Trilogie vollenden. Außerdem herrscht bei uns im Theaterverein Frauenüberschuss, so dass es einfach war, ein reines Frauenstück zu besetzen. Da kurzfristig eine Spielerin ausgefallen ist, habe ich zum Schluss noch mitgespielt. Zum Glück hat sich Christiane Köster bereit erklärt, als Regie-Assistentin einzuspringen. Jede Spielerin konnte sich in den 32 kurzen, revueartigen Szenen von ganz unterschiedlichen Seiten zeigen und fand das toll.

Was für ein Regisseurinnen-Typ sind Sie?

Anni Christ-Dahm: Ich gelte als die Schleiferin! (lacht schallend). Und ich bin Perfektionistin. Für jede Figur erarbeite ich Rollen-Hintergründe. Einer meiner Leitsätze lautet: Wir müssen mit Gefühlen arbeiten.

Welche Schwerpunkte setzen Sie als Vorsitzender und Nachfolger des langjährigen Regisseurs Josef Pömmerl?

Roland Kilchenstein: Ich möchte die Kultburg mehr strukturieren. Die Burg soll zum Beispiel als ureigenste Spielstätte im Mittelpunkt stehen. So wird es in der neuen Reihe »Kultburg Open« sein, mit der wir zwar nicht mehr im Rahmen der Burgfestspiele agieren, weil hier nur noch professionelle Ensembles spielen werden, aber trotzdem mit der Unterstützung durch die Stadt. Die Regie- und die Vorstandsarbeit sollte getrennt sein, damit der Regisseur sich auf seine Arbeit konzentrieren kann.

Doris Huhn

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