Ein Richter in großer Verlegenheit – MainEcho vom 30.05.2016
Theater: Die Alzenauer KultBurG-Teens haben Kleists “Zerbrochenen Krug” am Sonntag auf die Bühne gebracht
Nachdem bereits im vergangenen Jahr mit “Romeo und Julia” ein Klassiker erfolgreich aufgeführt worden ist, wünschten sich die KultBurG-Teens des Alzenauer Theatervereins auch in diesem Jahr, große Literatur zu spielen. Diesmal steht Kleist auf dem Programm.
Und so setzte sich Marianne Hofmann wieder hin und schuf eine Alzenauer Bearbeitung von »Der zerbrochene Krug« von Heinrich von Kleist. Unter dem Titel »Der Dorfteufel« entwickelten die Theatermacher eine Komödie, die als Familienstück gegen Ende des 17. Jahrhunderts in einem Gerichtszimmer im Dorf Alzenau spielt.
Atmosphärisch kommt die Premiere der Produktion im oberen Burghof am Sonntagmittag vor 55 Besuchern Premiere gut an. Dass das Ganze an der frischen Luft stattfinden konnte, war bei dem verregneten und gewittrigen Wochenende Glücksache – aber alles ging gut.
Viel Vorbereitungsarbeit
Die Regisseurinnen Marianne Hofmann und Stefka Huelsz-Träger hatten mit ihren Kids ganze Vorbereitungsarbeit geleistet – und das, obwohl der Aufführungstermin zum Ende der Pfingstferien alles andere als optimal war. Die Kostüme und Masken von Stefka Huelsz-Träger und Dagmar Schudt wirkten authentisch, so dass der Eindruck einer kleinen Zeitreise entstand.
Worum geht’s im »Krug«? Dem Dorfrichter Adam (die Rolle teilten sich Luisa Freundt und Alina Renner) passiert ein ganz dickes Malheur. Beim versuchten Stelldichein hat er sich böse verletzt und auch noch seine richterliche Perücke verloren. Und: Er zerbricht einen Krug, der der Mutter seiner Verlobten sehr am Herzen lag. Blöd, dass just am nächsten Tag Gerichtsrat Walter (Micha Lang) seinen Besuch angesagt hat. Gerichtsschreiber Licht (Joshua Parr) ist hier keine große Hilfe für Adam, denn er giert selbst nach dem Amt des Dorfrichters. So gerät Richter Adam in die Verlegenheit, seine Tat vertuschen zu wollen – allerdings nicht mit Erfolg. Denn am Ende wird der Traum von Gerichtsschreiber Licht Wirklichkeit: Er erhält seine Beförderung zum Dorfrichter.
Bei der Inszenierung der Kultburgkids geht es sprachlich deftig zu. Dorfrichter Adam verzettelt sich immer mehr und bedenkt sein Umfeld mit Ausdrücken wie »Halt’ s Maul«. Nettigkeiten wie »Drecksack«, »Sauhund« oder »Klugscheißer« machen die Runde.
»Das war eine Spitzenleistung«, lobt Roland Kilchenstein, Vorsitzender der Kultburg, am Ende die Akteure. Marianne Hofmann hatte zuvor erleichtert und zufrieden verkündet: »Erst emol die Schweißdrobbe weg wische!«
Im Überblick: Weitere Aufführungen
Zwei weitere Aufführungen von »Der Dorfteufel« (Altersempfehlung der Kultburg: ab acht Jahren) finden am Samstag, 9. Juli, 14 Uhr, und Sonntag, 10. Juli, 11 Uhr statt.
Karten kosten fünf Euro im Vorverkauf, an der Tageskasse sieben Euro: Kontakt: Verkehrsamt der Stadt oder per E-Mail: inge-alzenau@t-online.de. Einen Ausschnitt aus »Der Dorfteufel« spielen die Kultburgkids am Sonntag, 26. Juni, 14.30 Uhr beim Familientag der Stadt Alzenau auf dem Gartenschaugelände.
Doris Huhn
Wir haben tolles Feedback von der Presse für beide Stücke unserer kultBurG OPEN 2013 erhalten. Darüber freuen wir uns tierisch, weil es das Blut, den Schweiß und die Tränen vergoldet, die es alle Beteiligten gekostet hat, um die beiden Stücke auf die Bühne zu bringen. … Ok, ok, bei “Der Name der Rose” war es Theaterblut und bei “Das Gespenst von Wilmundsheim” Wasserfarben. Die Tränen waren von den Eltern aus Stolz auf die Töchter und Söhne bei der Aufführung von “Das Gespenst von Wilmundsheim”. Aber den Schweiß haben wir alle real und wirklich vergossen. Entweder, weil wir schwitzten, ob das Wetter hält oder deswegen, ob wir alle Auf- und Abtritte auch im Rittersaal gut hin bekommen. Beide Stücke mussten teilweise verlegt werden. Die Kulisse war nicht mehr vorhanden. Und dennoch haben wir extrem gutes Feedback von unseren Zuschauern erhalten. Bei “Der Name der Rose” war das emotionale Feedback nach der Aufführung im Rittersaal sogar noch größer als im Burghof. Wir freuen uns darüber, dass wir Euch als Zuschauer in jeder Lage für unsere Stücke begeistern konnten.
Wir haben für “Der Name der Rose” auch während der Aufführung hinter der Bühne Bilder gemacht, die ein wenig die Stimmung einfangen und auch so schön geworden sind, dass wir sie Euch gerne zeigen möchten. Vor allem der Arbeit der Maskenbildnerinnen (Stefka, Dagmar, Tanja und Larissa) möchten wir ein Mega-Lob aussprechen, da sie, während die Zuschauer die Vorstellung genießen konnten, hinter der Bühne auf Hochtouren gearbeitet haben. Mehrere Darsteller mussten während der Aufführung umgeschminkt werden und der Schminkplan war entsprechend straff aber sehr gut organisiert und das auf engstem Raum.