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Geliebte Betrüger, verratene Geliebte – Main Echo vom 14. März 2009

kultBurG-Premiere Komödie “Wer betrügt hier wen?” mit einem Schuss Lokalkolorit begeistert 100 Besucher

Alzenau Die Frau wird zur Furie. Sie mutiert zur Rachegöttin in ihrem schicken, schwarzen Kleid, die sorgfältig rot geschminkten Lippen werden verächtlich geschürzt, die Augen verengen sich zu gefährlichen Schlitzen. Ihr Mann betrügt sie! Mit ihrer Freundin!! Und gibt das auch noch genauso offen zu, wie sie ihm vorher von ihrem Liebhaber erzählt hat. Das gehört sich doch nicht, oder?!

 

Alle Vorstellungen ausverkauft

Die neueste Inszenierung des Alzenauer Theatervereins kultBurG brachte ordentlich Schwung in das Maximilian-Kolbe-Haus. Die Premiere am Donnerstagabend war mit 100 Besuchern genauso ausverkauft wie es die drei folgenden und die Zusatzvorstellung am Montag sind. Also keine Chance mehr für Spätentschlossene, sich die Boulevardkomödie “Wer betrügt hier wen?” von Marc Camoletti anzuschauen. Schade, denn die zweieinhalbstündige Verwechslungskomödie bietet Situationskomik und turbulente Szenen, wie es Anni Christ-Dahm für ihr Regie-Debüt angekündigt hat. Der Plot rund um drei mehr oder weniger gut funktionierende Beziehungen und ein quietschvergnügtes amerikanisches Aupair-Mädchen (total witzig: Anna Iaquinta) wird mit einem Schuss Alzenauer Lokalkolorit aufgemischt, der ihm gut zu Gesicht steht. Ehefrau Johanna (wieder einmal grandios: Marianne Hofmann) versucht, ihren Mann Julius (Josef Pömmerl als gehörnter Gegenpart mit Macho-Sprüchen) zunächst im “Schwanen” und dann in der “Brezel” telefonisch zu erreichen. Doch dort ist er seit Wochen nicht gesehen worden, obwohl er dort angeblich regelmäßig Karten spielt.

“Du lügst – und zwar schlecht”

In Johanna beginnt es zu kochen. Wie zwei Katzen um den heißen Brei schleichen beide umeinander herum und gönnen sich Nettigkeiten. Sie: “Ich stelle lediglich fest, dass du lügst – und zwar schlecht!” Er: “Weil du mir keine Zeit lässt, mich vorzubereiten!” Und dann ist es heraus. “Ich hab’ eine Freundin, weil du einen Freund hast”, schmiert Julius seiner Frau aufs magenunverträgliche Butterbrot. Ein Techtelmechtel aus gekränkter Eitelkeit, aus Rache also. “Ich mach’ keine Szene!”, brüllt er ihr quer durch das heimische Wohnzimmer entgegen und mokiert sich über ihren Geliebten, der im Atomforschungszentrum Hanau arbeitet und jeden Morgen Zeit hat, mit Johanna zu telefonieren (“der soll seine Bomben bauen!”). “Im Krieg sind alle Mittel erlaubt”, behauptet Julius und schlägt vor, die gegenseitigen neuen Hälften kennen zu lernen, natürlich in der Wohnung. Doch vorher taucht Johannas Freundin Brigitte (herrlich begriffsstutzig: Heike Woltering) auf, die alles nur noch schlimmer macht. Als dann tatsächlich Johannas Geliebter Robert und Julius’ Geliebte Gina klingeln (Andreas Blaha und Sandra Majewski), ist die Situationskomik nicht mehr zu überbieten. Wer betrügt nun wirklich wen, wer lügt wann, und ist vielleicht doch mal zwischendurch die Wahrheit gesagt worden? Als Brigittes temperamentvoller italienischer Mann Luigi (klasse: Roland Kilchenstein) seine eventuell oder doch auch wieder nicht verletzte Mannesehre herstellen möchte, blicken selbst die Figuren auf der Bühne nicht mehr durch …

Überzeugende Spiellust

Fazit: Dem Kultburg-Ensemble ist mit der Camoletti-Komödie ein Boulevardstück im klassischen Sinn gelungen, das vor allem im ersten, fast 90-minütigen Teil durch eine Text-Straffung deutlich gewonnen hätte. Doch die Spiellust der sieben Akteure und die Situationskomik überzeugen die Zuschauer. Beeindruckend ist auch die Textsicherheit und das selbstbewusste Auftreten des Ensembles.

Doris Huhn

Per Foto ins Internet – Main Echo vom 22. September 2008 (7 Plus)

Alzenauer Theaterverein Vorreiter für Mobile Tagging

Mit einem Klick ins Internet, allerdings nicht am Computer, sondern am Fotohandy. Diese Möglichkeit bietet das Veranstaltungsportal www.frankentipps.de seit kurzem allen Veranstaltern an, die bei ihm registriert sind. Der Theaterverein Kultburg in Alzenau ist nach eigenen Angaben eine der ersten Institutionen in Franken, die diese Einrichtung testen. Auf den Plakaten des Vereins befindet sich jetzt ein Quadrat, das sich aus kleineren, schwarzen und weißen Quadraten zusammensetzt.

 

Plakat - Wer betrügt hier wen?

Dabei handelt es sich um einen Barcode, ähnlich den Strichcodes auf Verpackungen. Nur dass dieser zweidimensionale QR-Code (Quick Response, zu deutsch: schnelle Antwort) sich durch eine erheblich höhere Kapazität auszeichnet. Er kann bis zu 7000 Zeichen speichern. Ursprünglich wurde dieser Code entwickelt, um in der Automobilproduktion bei Toyota einzelne Baugruppen und Komponenten zu identifizieren. Inzwischen findet sich der QR-Code aber häufig im Alltag: Auf Bahntickets, auf Portoangaben der Post oder auf Kinotickets.

Der QR-Code bietet noch eine weitere Möglichkeit, das »Mobile Tagging« (zu deutsch: Identifizieren). Besitzer von internetfähigen Kamerahandys, die über entsprechende Software verfügen, müssen den Barcode nur abfotografieren. Die Software identifiziert daraus eine Internetadresse, die aufgerufen werden kann. Im Falle des Theatervereins Kultburg gelangt man so auf die Homepage www.kultburg.de, auf der zusätzliche Informationen zu Stück und Besetzung stehen.

In Japan verbreitet sich das Mobile Tagging momentan explosionsartig. Für zwei Drittel aller Handynutzer ist die QR-Fähigkeit eines Mobiltelefons bereits ein Kaufkriterium, zumal der Zugang zum Internet via Handy dort schon viel weiter verbreitet ist, als hierzulande. Doch auch in Deutschland sind bereits Mobiltelefone mit der entsprechenden Software auf dem Markt, beziehungsweise kann die entsprechende Software kostenlos nachgerüstet werden. Entsprechende Informationen stehen auf den Webseiten der Hersteller.

Die Möglichkeiten des Mobile Tagging sind vielfältig. Sie können auf touristischen Hinweisen ebenso zusätzliche Informationen bieten wie bei Werbung oder Veranstaltungsplakaten. In Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt, erlauben QR-Codes den Zugang zu Links, ohne dass lange Internetadressen eingetippt werden müssen. Neben dem Theaterverein Kultburg nutzt bei Frankentipps.de beispielsweise das Heimatmuseum im Amtshausschüpfla in Frauenaurach die Möglichkeiten des Mobile Tagging. Im Informationskasten vor dem Museum ist ein QR-Code aufgehängt, mit dem man auf die Internetseite des Museums gelangt. Dies funktioniert laut Anbieter auch, wenn bis zu 30 Prozent des Codes unleserlich sind. Allerdings muss der Code zum Abfotografieren eine gewisse Mindestgröße aufweisen.

Info: Basiswissen zum QR-Code mit Anwendungsmöglichkeiten sowie Links auf der Internetseite qrcode.wilkohartz.de. Die entsprechende Software, um sein Mobiltelefon fit für Mobile Tagging zu machen gibt es unter anderem auf folgenden Homepages: www.qruzer.com (Cruzer QR Reader) und www.kaywa.com (Kaywa QR Reader). Beide Seiten enthalten auch Links zu QR-Generatoren, mit denen sich ein QR-Code etwa für die Visitenkarte generieren lässt.

Josef Pömmerl

Moderatorin von Sänger “erschossen” – Main Echo vom 30. September 2008

Moderatorin von Sänger “erschossen”

Spaßkonzert: Kultburg-Raben – Teens und Gäste unterhalten sich prächtig im Michelbacher Schlösschen

Alzenau-Michelbach Absolut stimmungsfördernd wirkte das Benefizkonzert der Kultburg-Raben für das Café Arbeit am Sonntagnachmittag im Schlösschen. Viele Gäste, darunter ein tolles Instrumental-Trio, bereicherten die Veranstaltung. Trotz des strahlenden Sonnenscheins pilgerten 120 Besucher in das Schmuckkästchen Alzenaus und füllten den Saal rappelvoll.

 

Unter der Leitung von Jürgen Wahl präsentierten die 15 Sängerinnen und Sänger der Kultburg-Raben ein erfrischend-unterhaltsames Programm im Schlösschen. Doris Huhn Die Entscheidung zum Besuch des Indoor-Programms unter dem Titel “Fiese Möp!” war in diesem Fall goldrichtig. Der Chor des Theatervereins Kultburg sorgte mit augenzwinkernden, haarsträubenden und mit viel Spaß an der Freud’ Stücke unter der Leitung von Jürgen Wahl für glänzende Stimmung und etliche Lachsalven.

Mit Temperament vorgetragen Das Schöne an den Raben ist, dass sie das Singen nicht als bierernste Angelegenheit ansehen und zu ihren vielleicht manchmal eventuell etwas schieferen Tönen auch stehen. Das nächste Stück haut dann mit Sicherheit wieder alle vom Hocker – mit Temperament, Leib und Seele vorgetragen. Die 15 Sängerinnen und Sänger starteten noch leicht verhalten mit dem Prinzen-Hit “Alles nur geklaut”. Doch schon beim “Zahnarzt” aus dem Musical “Little Shop of Horrors” ging es oben auf der Bühne ab. Wunderbar schwingend genoss der Chor den ironischen Text und spuckte “nach der Behandlung” bei dem Dentisten kräftig aus.

Außergewöhnliche Geräusche produzierten die Sänger beim Besuch im Spukhaus der Addams Family. Und nach der Moritat von Mackie Messer brannte bei Elvis Presleys “Jailhouse Rock” die Bühne. “Come on ravens, rock the house”, hatte die köstlich moderierende Marianne Hofmann dem Chor zugerufen und diese flippten so richtig schön aus. Ja, die Hofmann hatte einigen Anteil am Konzertprogramm. Ob als Choreographie-Chefin für Chor und Publikum bei “Du musst ein Schwein sein” oder als Akteurin beim “Kleinen grünen Kaktus”.

War doch plötzlich solch ein Stachelding auf seltsame Weise auf den Stuhl der Moderatorin gelangt und bei der Zeile “sticht, sticht, sticht” schoss sie mit einem lauten “Aua” wie von der Tarantel gestochen von ihrem Platz! Aber ganz dicke kam’s dann beim “Kriminal-Tango” (zum Glück das letzte Stück, da war der Moderatorinnen-Part durch!). Erschoss doch einer der “fiesen” Sänger die “ahnungslose” Hofmann auf ihrem Platz und diese sackte nach dem ohrenbetäubenden Knall “leblos” zur Seite ? “Ene fiese Möp”, der Mann, echt!

Teens haben sich entwickelt Die Kultburg-Teens unter der Leitung von Gertrud Englert-Schauer und Ursula Jebe glänzten mit sechs Sketchen, pardon, “Minidramen aus dem Repertoire”. Vor allem das “Fotoalbum”, das loriothafte Züge besaß und das rabenschwarze Intermezzo mit “Das Bein” zeigten, wie toll sich die Teens weiterentwickelt haben. Ohne Scheu vor dem ganz nah sitzenden Publikum gelangen die Szenen flüssig und stimmig.

Als Überraschungsgäste traten die Geschwister Patricia und Tobias Mann auf. Ihre Chansons texten und komponieren die beiden in Teamwork selbst und tragen sie mit guten Stimmen, Gitarre und Klavier vor. Dabei werden Alltagsszenen aufgegriffen, reflektiert und auf die spitze und oftmals witzige Feder genommen. Ganz klasse war “Bitte lassen Sie mich durch!” und “Der verwunschene Frosch”.

Ganz spontan betraten zwei alte Philosophen (Karlheinz Bretthauer und Helmut Schneider) die Bühne. Genauer gesagt, der Gang auf die Bühne war schon mit Schwierigkeiten gepflastert. Doch einmal hingesetzt, flossen die tiefschürfenden Gedanken der beiden so beeindruckend weise, dass der Beifall auf dem Fuß folgte.

Kommen dem Besucher die Stunden bei manchen Konzerten wie Tage vor, so ist es bei den Kultburg-Raben umgekehrt. Ruckzuck waren die zwei Stunden um und schon ging es an die Zugaben. Ganz herrlich klang der Kanon “Bona Nox – bist a rechter Ochs”, den der erst sechsjährige Mozart komponiert hat. Und ganz am Ende gaben die Raben mit dem “Jailhouse-Rock” noch einmal so richtig Zunder. Das Publikum belohnte alle Beteiligten mit kräftigem Applaus im Stehen.

Doris Huhn

Burgfestspiele: “Das Käthchen von Heilbronn” in Regie von Ursula Jebe eröffnet die Freilicht-Theatersaison in Alzenau – Main Echo vom 24. Juni 2008

»Attraktives Ritterspiel im historischen Ambiente«

Burgfestspiele: “Das Käthchen von Heilbronn” in Regie von Ursula Jebe eröffnet die Freilicht-Theatersaison in Alzenau

Alzenau Wie geschaffen für Heinrich von Kleists historisches Ritterschauspiel “Das Käthchen von Heilbronn” präsentiert sich die bewährte Spielstätte: Der Untere Burghof der Alzenauer Burg – zum ersten Mal mit größerer und neu ausgerichteter Zuschauertribüne – bildet einen stimmungsvollen Rahmen und eine Atmosphäre, wie sie sich Kleist für sein Schauspiel wohl gewünscht hätte.

Das 1810 im Theater an der Wien uraufgeführte Stück hat nichts an Attraktivität verloren. Mit viel Einfühlungsvermögen entführt der Theaterverein Kultburg in Kleists Welt. Einer Welt, in der Käthchens gelebter Traum der realen Welt voller Intrigen und Standesdünkel gegenübersteht. Bereits zum siebten Mal beteiligt sich der Amateur-Theaterverein an den Festspielen.

Zur Geschichte: Der Waffenschmied Theobald Friedeborn klagt vor einem Femegericht den Grafen von Strahl an, seine Tochter Katharine mit magischen Hilfsmitteln entführt zu haben. Nachdem er seinen Harnisch in Theobalds Schmiede hatte richten lassen, ist sie wie besessen von ihm. Der Vater findet nur eine einzige Erklärung für das merkwürdige Verhalten seiner Tochter: Graf Wetter von Strahl hat sein geliebtes Käthchen verhext. Doch Käthchen folgt dem Grafen freiwillig, denn sie hat sich unsterblich in ihn verliebt. Auch der Graf fühlt sich zu der Bürgerlichen hingezogen, obwohl er in Kunigunde von Thurneck die Kaisertochter zu erkennen glaubt, die ihm im Traum als künftige Ehefrau angekündigt wurde. Diese ist jedoch nur auf seine Ländereien aus, und nutzt die Gunst der Stunde um durch eine Heirat ihr Ziel zu erreichen. Kunigundes ehemaliger Verlobter erfährt von diesen Absichten und legt Feuer auf Burg Thurneck. Um ein Bild des Grafen aus den Flammen zu holen schickt Kunigunde das ihr lästige Käthchen ins Feuer um sie in den sicheren Tod zu schicken. Graf von Strahl erkennt die Intrige und entdeckt, dass Käthchen die Tochter des Kaisers ist der mit der Frau des Waffenschmiedes ein Verhältnis hatte.

Mit Katharina Wilz als Käthchen, Heiko Bozem als Graf von Strahl und nicht zuletzt Uwe Schramm als Theobald Friedeborn und Barbara Vogel-Hohm als Kunigunde von Thurneck ist es gelungen, eine engagierte und motivierte Besetzung zu präsentieren.

Unter der Regie von Uschi Jebe gelang es den Akteuren, mit wenigen stilistischen Mitteln zum Thema, aber mit umso mehr Leidenschaft das Alzenauer Publikum in das “romantische Mittelalter” Kleists zu entführen. Emotionaler Höhepunkt war zweifelsohne auch der Auftritt des Cherubs in der Person von Petra Herzog. Mit ihrem live gesungenen Ave Maria verzauberte sie.

Alles in allem ein gelungener Auftakt der diesjährigen Theatersaison bei den Burgfestspielen, was vom Publikum mit lang anhaltendem Beifall und Standing Ovations honoriert wurde. Vier weitere Aufführungen stehen noch aus, und man kann es dem Ensemble Kultburg nur wünschen, dass der Wettergott auch weiterhin ein Einsehen hat, und alle Aufführungen in diesem wunderschönen Ambiente trocken über die Bühne gehen.

Kosta Fröhlich

Alzenauer Burgfestspiele: Theaterverein kultBurG glänzt mit “Gefährliche Liebschaften” – Main Echo vom 30. Juni 2008

»Falschspieler in Sachen Liebe «

Alzenauer Burgfestspiele: Theaterverein kultBurG glänzt mit “Gefährliche Liebschaften”

Alzenau Letzte Sonnenstrahlen finden ihren Weg durch die Äste der gewaltigen Kastanie im Oberen Burghof. Höfische Musik erklingt und eine lebendige und nicht engagierte Krähe irgendwo auf den Zinnen der Burg Alzenau eröffnet mit dreimaligem Krächzen und faszinierend passend die zweite Premiere der Alzenauer Burgfestspiele, “Gefährliche Liebschaften”.

Psychologisch feines Spiel

160 Menschen füllen den intimen Spielplatz und lassen sich vom Theaterverein kultBurG faszinieren. Drei Stunden lang spielen sich auf der kleinen Bühne menschliche Dramen ab, die in psychologisch feinem Spiel dargestellt werden. Regisseur Josef Pömmerl hat mit seinen neun Akteuren die richtige Besetzung gefunden, um einen der bekanntesten französischen Romane von Pierre-Ambroise-Francois Choderlos de Laclos in der Theaterfassung von Christopher Hampton mit Leben zu erfüllen.

Zugegeben, die dreistündige Aufführung hat auch ein paar Längen, die Pause nach 100 Minuten ist definitiv zu spät und eine halbe Stunde braucht die Truppe, um sich richtig warm zu spielen, doch dann fesselt das Stück um den Vicomte de Valmont, den Christian Pohl so herrlich fies und abgrundtief intrigant gibt, ungemein. Sein weibliches Gegenstück ist die Marquise de Merteuil, die Carolin Gündling mit weiblicher Boshaftigkeit spielt.

Die Opfer der beiden, wenn man sie denn so nennen mag, werden von Ursula Stöckl (Madame de Tourvel), Hannah Jebe (Cécile de Volanges) und Matthias Woltering (Chevalier Danceny) glänzend in Szene gesetzt. Man lebt in der dekadenten Gesellschaft vor der französischen Revolution und vertreibt sich die Langeweile damit, Intrigen um Lust und Liebe zu spinnen.

Rund um die himmelblaue Chaiselongue, auf der sich mehr als ein Pärchen mit mehr oder weniger echten Gefühlen der Liebe hingibt, stehen meterhohe und zunächst verhüllte Spiegel. Nach jedem Akt wird ein Spiegel enthüllt und zeigt dem Intrigenpärchen Valmont und Merteuil sein wahres Gesicht. Doch was sehen sie? Auf den ersten Blick ein opulent gekleidetes, aufs feinste frisiertes und mit Schmuck verschöntes Pärchen.

Aber hinter der glitzernden und funkelnden Fassade lauern zwei böse Seelen, die sich am Unglück anderer ergötzen. Sie sind Falschspieler in Sachen Liebe, verführen, um Macht zu besitzen und Macht auszuüben.

Unmoralische Angebote und bald mehr schaukeln sich hoch, aus einem zarten Kuss auf eine nackte Schulter entwickelt sich eine hemmungslose Gier. Am Ende scheinen die zwei die Kontrolle über das gefährliche Gefühls-Karussell zu verlieren, verfangen sich in ihren klebrigen Spinnenfäden.

Nicht zu kurz kommt an diesem Abend der Humor. Wenn sich die Marquise de Merteuil für mehrere Liebhaber ausspricht, klingt das so: “Ausschließlichkeit ist total ungesund!”. Und wenn eine Frau die “elementaren Vorsichtsmaßregeln” beachtet, stehen ihr ohnehin alle Möglichkeiten offen. Dabei hatte die Marquise Glück mit ihrem Ehemann: “Gerade als er anfing, mir lästig zu werden, hatte er das Taktgefühl zu sterben.”

Das Ensemble wird von Carmen Reichenbach und Inge Mayer souverän komplettiert sowie von Rebekka Rüth und Pascal Träger, die den “Pausenvorhang” in Form eines extrabreiten Paravents nach jeder Szene unermüdlich auf und wieder zu klappen.

Dem Theaterverein kultBurG ist es mit Spiellust gelungen, “Gefährliche Liebschaften” in einer schlüssigen Inszenierung zu inszenieren. Eine starke Gemeinschaftsleistung der Truppe sorgt für spannende Theaterunterhaltung unter freiem Himmel, zu der Petrus zumindest bei der Premiere sein Okay gab und sogar durch einige kräftige Windböen, die Haare und Kostüme bauschten, dramatische Akzente setzte. Doris Huhn

Alzenauer Burgfestspiele: Kultburg-Kinderstück “Gespensterpark” kommt bei 160 Besuchern glänzend an – Main Echo vom 03. Juli 2008

»Durchs magische Tor auf die Allee der Träume«

Alzenauer Burgfestspiele: Kultburg-Kinderstück “Gespensterpark” kommt bei 160 Besuchern glänzend an

Alzenau “Gleich wird’s cool”, freut sich eine Zweitklässerin kurz vor Premierenbeginn des Kinderstücks der Alzenauer Burgfestspiele, dem “Gespensterpark”, gespielt vom Theaterverein Kultburg im Oberen Burghof unter der Regie von Stefka Huelsz-Träger. Plötzlich huscht eine von oben bis unten schwarz gekleidete Person über die oberste Burgzinne und verschwindet im Turm, vor dem Tor wabert Nebel – bei herrlichem Sonnenschein!

Foto: MainEcho (Salabim der Lambpengeist) Die Nerven sind angespannt, und als plötzlich ein scheinbar riesiges weißes Gespenst auf der Bühne auftaucht, kreischen fast alle Kinder unter den 160 Besuchern laut auf. 

Die Stimmung auf der Bühne bei den Kindern Max und Sophie ist nicht so gut wie im Publikum. “Gestern das Endspiel verloren und heute keinen Ferienjob”, mault Max, der trotzdem noch sein Podolski-T-Shirt trägt. Doch Sophie zeigt auf ein Schild, das beweist, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Da werden doch tatsächlich Hilfen für Gartenarbeiten gesucht. Komisch nur, dass als Voraussetzung “Furchtlosigkeit und Verschwiegenheit” gefordert sind.

Plötzlich taucht eine riesige Burg vor den Kindern auf, Lampen- und Steinerweichergeister erscheinen, Sophie macht sich zum Vergnügen der Zuschauer fast in die Hose und schon ist man mitten drin im Abenteuer, zu dem Marliese Arolds Buchreihe “Gespensterpark” als Vorlage diente und die in einer Bühnenfassung von Marion Hohenfeld und Anne Nowak präsentiert wird.

Gute Geister

Ein bisschen ärgerlich ist es schon, dass Marliese Arold das uralte Klischee “Mädchen haben Angst, Jungen sind tapfer” aufgreift. Andererseits ist es so herrlich komisch, wenn sich Marianne Hofmann fürchtet und “Ich hab’ Schiss!” kreischt. Und dann hat sie ja noch Huhu, den Steinerweicher-Geist als Freund gefunden, der möglichst nicht weinen darf, weil sonst das Gemäuer der Burg noch mehr zerfällt. Im schönsten Moment des Stücks heulen beide gleichzeitig um die Wette. Mit dem Lampengeist Salabim steht ein weiterer netter Geist zur Seite, blöderweise ist er grad arbeitslos. Doch als Max und Sophie auftauchen, hat er neue Herren gefunden. “Das ist ja total abgefahren”, kommentieren die Kinder dieses Ereignis.

Dann geht es über das magische Tor zum Gespensterpark hinein, direkt auf die Allee der Träume; dorthin kommt man nur, wenn man vorwärts denkt und rückwärts geht. Und wenn das alles überstanden ist, wird man auch noch mit seinem schlimmsten Albtraum konfrontiert. Sophies Albtraum hat mit Mathe zu tun. Weniger nett als die Geister ist der Erbe der Burg, Jonathan von Fleuch, der nicht nur die superteuren Wassergeister Nele und Nöck klaut, die verdächtig nach Barbiepuppen aussehen, sondern auch keine Kinder mag. Als er Max in den schrecklichen Schlund des Zerberus wirft, ist endgültig Schluss mit lustig und Salabim wäre nun froh, wenn er in der Schule besser aufgepasst hätte, um ihn mit einem tollen Zauber zu befreien.

Gut eine Stunde lang fiebern die Mädchen und Jungen im Publikum mit den Figuren mit, raten den Kindern, was sie tun können, wollen den bösen Erben in die Irre führen, kreischen und schreien, springen von ihren Stühlen auf, melden sich zu Wort und lassen sich am Schluss alle ein Autogramm von den Darstellern geben.

Wie das Stück ausgeht, wird natürlich nicht verraten, nur so viel: Es bleibt sehr lustig, sehr spannend und für Kinder und Erwachsene gleichermaßen unterhaltsam!

Doris Huhn

Neue Spielform: Kultburg-Teens überzeugen bei Zimmertheater-Premiere mit »Heim Happiness« und »Handy-Stories« – Main Echo vom 05. Mai 2008

Falscher Klingelton als Liebestöter

Neue Spielform: Kultburg-Teens überzeugen bei Zimmertheater-Premiere mit »Heim Happiness« und »Handy-Stories«

Alzenau. Das Theater ist so groß wie ein geräumiges Wohnzimmer, die Deckenlampen fungieren als Scheinwerfer, die Musik kommt aus dem Kassettenrekorder, das Publikum sitzt eng gedrängt und erwartungsvoll auf Klappstühlen. So intim-gemütlich ging es am Wochenende im »Zimmertheater«, den Proberäumen des Alzenauer Theatervereins Kultburg, zu, wo die Teeniegruppe am Samstag (ausverkauft mit 50 Besuchern) und Sonntag mit zwei Stücken (jeweils circa 30) auftrat.

Durch die Räumlichkeiten erhält das Theater einen improvisierten, leicht experimentellen Charakter. Man ist mitten drin, voll dabei und geht fast auf Tuchfühlung mit den Darstellern. Das Wort »live« erhält hier eine ganz besondere Bedeutung. Und für die Theaterspieler bedeutet der Auftritt noch einmal eine Nuance mehr Lampenfieber, als wenn man auf einer Bühne weit weg vom Publikum agiert. Die für KultBurG neue Spielform soll auch in Zukunft gepflegt werden.

Die acht Teens unter der Regie von Gertrud Englert-Schauer haben am Wochenende den Testlauf gestartet und die Bewährungsprobe prima bestanden. Die 13- und 14-Jährigen sind aus der Kids-Gruppe heraus gewachsen und suchten nun erfolgreich nach neuen Ansätzen. Unter dem Titel »…ernst und heiter und so weiter…« spielen sie für Menschen ab zwölf Jahren zwei Stücke, die für die Gruppe adaptiert wurden. Kira Heininger, Steffen Edlinger, Isabella Reichenbach, Sandra Englert, Stella Muthorst, Rebekka Rüth, Niklas Bister-Reichardt und Julia Schauer beginnen mit »Heim Happiness«. Das ernste Thema spielt in einem Therapieheim, in dem Dr. Happiness und Dr. Heim Patienten mit Happiness-Spray ruhig stellen, gerne mal mit doppelter Dosis. »Hier wird nicht gedacht«, ermahnt Dr. Heim.Das Publikum schwankt bei der krassen Darstellung zwischen Lachen und Weinen.

»Übles, problematisches Problem«

»Handy-Stories« thematisiert den Kult- Gegenstand Nummer Eins bei der Jugend und erzählt in kurzen Szenen zwischen Friseursalon, Boutique und Pub, welche Formen der Kultstatus annehmen kann. Da trifft ein junges Pärchen die Liebe auf den ersten Blick und schwebt auf Wolke Sieben – bis ihr Handy klingelt, blöderweise mit einem falschen, uncoolen, nicht angesagten Klingelton! Ihm bleibt nichts anderes übrig, als das Weite zu suchen… Kein Handy zu haben ist eine Katastrophe, aber ein falsches Handy zu haben, ein »Steinzeit-Handy«, ist ein »übles, problematisches Problem«. Der Super-Gau tritt ein, wenn jemand sein ultracooles Handy verliert, er ist geoutet als Mensch, der kein Handy hat (»Mit der kann man nicht simsen, nicht chatten, gar nichts!«). Inklusive ständiger Unterbrechungen durch Handy-Werbung bringen die Teens das Stück witzig, zügig und unterhaltsam auf die Bühne. Am Ende gibt es gibt’s dicken Applaus. Kräftigen Beifall erhielt auch der Kultburg-Chor. Die Kultburg-Raben machten mit zwei Stücken aus ihrem Programm »Fiese Möp« Appetit auf einen Raben-Abend.

Doris Huhn

»Die lustigen Leidenden« Schauspielpatienten helfen an der Uniklinik bei der Praxisausbildung von Ärzten – MainEcho vom 13. Februar 2008

Die lustigen Leidenden

Schauspielpatienten helfen an der Uniklinik bei der Praxisausbildung von Ärzten

Frankfurt. Wir befinden uns im sicherlich lustigsten Wartezimmer am Frankfurter Universitätsklinikum. Es wird gescherzt, gelacht und rumgealbert. Dabei sind alle Anwesenden schwer krank: Lebensmittelvergiftung, Lungenentzündung oder Herzrhythmusstörung. In wenigen Minuten werden sie wieder husten oder schmerzvoll die Arme an den Bauch pressen. Doch jetzt haben sie Pause.

 

Das runde Dutzend Personen, das hier im Lehrstudio auf seinen Einsatz wartet, sind Schauspielpatienten. An ihnen sollen künftige Ärzte üben, wie sie mit Patienten umgehen müssen. An diesem Tag sind Untersuchungskurse an der Reihe. Studierende im fünften Semester sollen bei der Anamnese, einem klärenden Vorgespräch, passende Fragen stellen um auf eine richtige Diagnose zu kommen. Es ist das erste Mal, dass die angehenden Ärzte mit »Patienten« zu tun haben. Deshalb wirken viele verunsichert, müssen öfter nachdenken, was sie noch fragen können. Manchmal gibt der ganze Kurs Anregungen, manchmal beobachtet dieser schweigend und schreibt mit. »Das macht jeder Dozent anders«, erklärt Sandy Kujumdshiev. Sie ist Ärztin, und an der Klinik für die OSCE-Prüfungen verantwortlich. Dabei müssen Ärzte wie in einem Zirkeltraining nacheinander mehrere Stationen aufsuchen und praktische Aufgaben bewältigen. Bei den OSCE-Prüfungen ist laut Kujumdshiev aufgefallen, »dass wir professionelle Patienten brauchen.« Denn ein Student, der einen 68-
Jährigen mit Diabetes spielt, wirkt einfach nicht überzeugend. Daher war die Frankfurter Uniklinik eine der ersten, die Schauspielpatienten einsetzt. So erfolgreich, dass die Zahl von jetzt 92 Simulanten mehr als verdoppelt werden soll. Uwe Zinßer betreut die Simulationspatienten und übt mit ihnen ihre Krankheiten ein. Sie bekommen dabei eine komplett neue Persönlichkeit verpasst: Name, Beruf, Hobby, Familiengeschichte.

Wer bei uns krank sein will, muss kerngesund sein. (Patiententrainer Uwe Zinßer)

Jede Kleinigkeit kann wichtig sein: Ist die Mutter an Krebs gestorben, hat die Patientin Angst davor, selber an Krebs zu leiden. Gibt es Probleme in der Familie, könnte das die Schlafstörungen erklären. Rund drei Stunden dauert so ein Training; zunächst entwickelt man gemeinsam die neue Persönlichkeit und dazu eine komplette Lebensgeschichte. Dann werden die Symptome eingeübt. Und am Ende geht es auf den heißen Stuhl: Jeder Patient wird geprüft, ob er das Gelernte auch beherrscht. Doch auf alle Situationen kann man die Schauspielpatienten nicht vorbereiten. Daher müssen diese auch improvisieren können. Gleichzeitig müssen sie jedoch so spielen, dass sie Prüfungen nicht beeinflussen. Gibt der Patient zu deutliche Hinweise, könnte es sein, dass die Prüfung nicht gewertet wird. Andererseits hat so mancher Patient den Prüfling schon gerettet. Bei
einem Blackout genügt oft ein: »Herr Doktor, Sie schauen so seltsam. Es ist doch nichts Ernstes?«, um diesen wieder zurückzuholen. Auf jeden Fall darf er aber, etwa bei einer OSCE-Prüfung, in der 20. Wiederholung nicht schlauer sein, als beim ersten Mal. Fällt ein Fachwort wie Diarrhö muss er auch dann fragen: »Herr Doktor, was ist denn das?« Sonst würde er die Prüfungsbedingungen verändern. Man könnte denken, dass professionelle Schauspieler für diese Aufgabe bestens geeignet sind. Doch Uwe Zinßer winkt ab. Die würden manchmal zu theatralisch, sobald sie Zuschauer haben. Die meisten Schauspielpatienten hat er in Vereinen aufgelesen, bei Bekannten oder einfach auf der Straße angesprochen. Wichtig ist auch, dass die Simulanten kerngesund sind. Sonst könnte sich die reale Krankengeschichte mit der erfundenen vermischen. Am heutigen Tag sind fast nur Mitglieder von Amateurtheatergruppen anwesend. Und denen scheint ihr Einsatz großen Spaß zu bereiten. Gleichzeitig sehen sie jedoch die soziale Verantwortung. Stefka Huelsz-Träger von der Alzenauer »Kultburg« findet es wichtig, »wenn die Ärzte mit dem Wissen rausgehen, wie man als Patient behandelt werden möchte.« Geld gibt es dafür zwar auch, doch, so Peter Beuchelt vom »Theater Familie Krause« aus Kelkheim-Fischbach: »Das liegt weit unter Hartz IV.«

Dafür macht es ihnen doppelt Freude, wenn sie überzeugend wirken. »Meine Studentin hat mir beim Abschied gesagt, sie hofft, dass es mir familiär bald besser geht«, sagt lachend Inge Mayer aus Alzenau. In ihrer Rolle hat ihr Mann Alkoholprobleme. Und nicht selten gibt es von den Studierenden nachher auch die Belohnung, die jeder Schauspieler braucht: Applaus!

Josef Pömmerl

Die Universitätsklinik sucht weitere Simulationspatienten. Info bei Uwe Zinßer, 069/6301-87150 oder E-Mail uwe.zinsser@kgu.de.

»Zum Weinen und zum Tanzen« Klezmerkonzert mit Trio Oyftreff in der Alzenauer Burg – Erlös für krebskranke Kinder – MainEcho vom 26. Januar 2008

Zum Weinen und Tanzen

Klezmerkonzert mit Trio Oyftreff in der Alzenauer Burg – Erlös für krebskranke Kinder

Alzenau. Klezmermusik ist jüdische Hochzeitsmusik. Sie soll die Ehefrau erst zum Weinen bringen bevor sie die Freude der Hochzeit erfahren darf. Am Freitag spielte eines der besten Klezmer-Trios Deutschlands, das Trio Qyftreff aus Hannover, in der Alzenauer Burg.

 

Die Musiker – Stefan Goreiski am Knopfakkordeon, Thomas Siebert an Klarinette, Oboe und Gitarre sowie Annette Siebert an der Violine begannen ihr Konzert mit einer freien Interpretation aus drei Ecken des Raums.

Außer bei Hochzeiten und in der Religion darf in der jüdischen Religion keine Musik erklingen, aus Trauer über die Zerstörung des Tempels in Jerusalem. Daher auch die Mischung zwischen sentimentalen und klagenden Tönen sowie der reinen Freude am Leben und Tanzen, die für Klezmer so typisch ist. Im Verlauf des Konzerts wurde deutlich, wie stark die jüdische mit anderen Musiken verwoben ist. Lieder aus Palästina, Moldawien, Rumänien und den USA gehörten zum Repertoire des Abends. Verwoben unter anderem dadurch, dass Zigeunermusiker und jüdische Musiker oft zusammenspielten, durch die Auswanderung der Juden in andere Länder oder allein durch die räumliche Nähe wie bei Palästina und Israel.

Es sei wünschenswert, so Thomas Siebert, dass die beiden Länder gesellschaftlich ebenso zusammenrücken würden, wie die es musikalisch bereits getan haben. Bei den arabischen Stücken gelang es Annette Siebert mit der Geige den Klang arabischer Flöten täuschend echt nachzumachen.

Der Alzenauer Theaterverein Kultburg hatte zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar zu diesem Konzert eingeladen. Leider fanden nur rund 30 Zuhörer den Weg in die Burg, was wohl den vielen Faschingsveranstaltungen geschuldet war. Denn an den Musikern kann es nicht gelegen haben: Sie bewiesen im Rittersaal erneut ihre Klasse.

Der Erlös ging an den Verein Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt, der sich um Kinder an der Universitätsklinik kümmert. Insgesamt 2500 Euro hat der Verein Kultburg mit diesem Konzert und drei Veranstaltungen im vergangenen Jahr – Burgführungen im Oktober, Benefizkonzert von »Vogelfrey und Unvuorzaget« sowie Konzert der Kultburg-Raben – dem Verein überwiesen. Als Vertreterin dankte Ute Roth dafür. Spendenübergabe

2500 Euro hat der Alzenauer Theaterverein Kultburg mit dem Erlös dreier Veranstaltungen im vergangenen Jahr sowie dem Konzert von Oyftreff am Freitag an den Verein Hilfe für krebskranke Kinder überwiesen. Dafür dankte Ute Roth vom Verein (vorne links) der Organisatorin Claudia Neumann. Im Hintergrund die Musiker Stefan Goreiski, Annette Siebert und Thomas Siebert (von links).

Josef Pömmerl

»Geschlemmt, geschrieen und gelallt« – MainEcho vom 27. Oktober 2007

»Geschlemmt, geschrieen und gelallt«

Ausverkaufte Premiere des Kultburg-Stücks »Schweig, Bub!« im Alzenauer Maximilian-Kolbe-Haus

Alzenau. Es wird gegessen, unheimlich viel gegessen. Dampfende Klöße, Schweinebraten, Torte, Bratwürste und Sauerkraut. Dazu wird getrunken, in vollen Zügen, Kaffee, Bier, Wein und natürlich Schnaps. Beste Grundlage zur Familienfarce »Schweig, Bub!«, die der Alzenauer Theaterverein Kultburg am Donnerstagabend als erste von insgesamt vier Aufführungen im Maximilian-Kolbe-Haus präsentierte.

 

Die achtköpfige Truppe unter der Regie von Uwe Schramm macht ihre Sache gut, sogar sehr gut. Fast zweieinhalb Stunden lang tobt der ganz normale Familienwahnsinn dort vorne auf der Bühne im Rahmen
einer Konfirmationsfeier, und der Wiedererkennungswert ist famos. 30 Jahre alt ist der Volksstück-Klassiker des fränkischen Autors Fitzgerald Kusz und trotzdem hat sich nicht viel geändert, wenn die liebe Familie zu einem Fest zusammenkommt, das ganz besonders schön werden soll.

Die 110 Besucher sind schnell gefesselt von dem flüssigen Spiel der Theaterspieler, die im stimmigen Rahmen (Ausstattung, Kostüme und Frisuren sind perfekt auf die 70er Jahre zugeschnitten) agieren. Klein-, gut- und vor allem spießbürgerlich geht es zu an der fein gedeckten Tafel. Vom Mittagessen bis zum Absacker lange nach Mitternacht wird geschlemmt, gesprochen, gemäkelt, gezetert und zum Schluss geschrieen, geheult und gelallt.

Dabei verwandelt sich das Klima schleichend. Was mit kleinen Sticheleien und Seitenhieben beginnt, endet im offenen Krieg. Die Versöhnung angesichts des hohen Feiertages muss zwingend her und wird hinter den Kulissen vollzogen, am Ende »war doch alles schee« – nur der Pfarrer ist nicht gekommen!

Das Stück gewinnt durch seinen Dialekt, der die Schauspieler und das Publikum noch näher zusammen bringt. Natürlich gibt es hier auch deftigere Schimpfwörter, die satter klingen. Was ist schon ein Ar… gegen einen »aalen Depp« oder einen »Saubär«…

Die Hauptfigur des Tages sollte eigentlich Konfirmand Fritz sein (Niklas Bister-Reichardt). Doch dieser wird bei seiner ersten Wortmeldung von seiner Mutter (Maria Fleschhut) mit den titelgebenden Worten »Schweig, Bub!« in den Senkel gestellt. Sein Vater (Roland Kilchenstein) wartet auf einen günstigen Moment, um endlich den Schnaps auf den Tisch zu bringen. Gerda (Britta Olbrich) spricht als einzige hochdeutsch und tut so, als wäre sie etwas Besseres. Zumindest glaubt sie ihren Mann (Josef Pömmerl) fest unter ihrem Pantoffel, bestehen seine Wortbeiträge zu ihren Kommentaren doch überwiegend aus einem schlichten »Ja, ja«. Doch der Gatte sitzt einige Plätze weit weg von ihr und nutzt die Gunst der Stunde, um die von ihrem Mann betrogene Hannelore (Anni Christ-Dahm) zu trösten. Dabei wird heftig unter dem Tisch gefüßelt und seine Hände scheinen fast an den feinbestrumpften Beinen zu kleben.

Interessiert an einem Techtelmechtel ist auch Willi (Manfred »Tschang« Jung), der sich herrliche Wortgefechte mit seiner Frau Anna (Maria Schiller) liefert. Allein diese wären schon den Eintritt wert. Annas zahl- und wortreich bekannt gegebene Lebensansichten über Küchenrezepte, Kirchensteuer, Politik, verpasste Chancen, die Männer im Allgemeinen, ihren Mann im Besonderen, das Leben vor und nach dem Tod sorgen immer wieder für Heiterkeit im Publikum.

Irgendwann nach dem Abendessen, das Sauerkraut beginnt gerade in den übervollen Bäuchen zu gären, platzt die Bombe auf der Bühne. Die Eltern des Konfirmanden schreien sich an, dass die Fetzen fliegen, jeder brüllt seine eigenen Unzufriedenheiten hinaus und alles »kommt von der Scheißsauferei«. Doch spätestens bei den Kuchenresten ist die Krise hübsch unter den Teppich gekehrt und als der Bub ins Bett geschickt wird, kann der Rest endlich »die Sau raus lassen«.

»Schweig, Bub!« ist ein zeitlos gesellschaftskritisches Stück, das die Kultburg frisch auf den Punkt gebracht hat. Regisseur Schramm hat ein gutes Händchen bewiesen und die Rollen optimal besetzt. »Ich hab’s schon im Fernsehn gesehn, aber das hier war noch besser«, resümierte eine Besucherin auf dem Heimweg. Live ist halt unübertrefflich.

Doris Huhn